Mittwoch, 11. Januar 2006
Studiengebühren
MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST BADEN-WÜRTTEMBERG
DER MINISTER

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg Postfach 10 34 53 70029 Stuttgart


An die Studierenden der baden-württembergischen Hochschulen und Berufsakademien

Januar 2006

Sehr geehrte Studierende,
in Baden-Württemberg werden zum Sommersemester 2007 Studiengebühren eingeführt. Wer an einer Hochschule oder Berufsakademie studiert, zahlt dann pro Semester 500 Euro. Der Landtag hat mit den Stimmen der Regierungsfraktionen dafür die gesetzliche Grundlage am 15. Dezember verabschiedet.
Unser Land steht vor großen Herausforderungen, und bei der Bewältigung künftiger Aufga-ben werden die Hochschulen eine zentrale Rolle spielen. Hierfür benötigen wir eine neue Mentalität -und stabile Finanzen, denn nur so werden unsere Hochschulen auch in Studium und Lehre internationalen Standards entsprechen können. Studiengebühren als zusätzliche Einnahmen sind für die Hochschulen unumgänglich. Wir haben zwar mit die besten Hochschulen in Deutschland, aber unsere Messlatte sind die international führenden Hochschulen.
Die Einnahmen aus den Studiengebühren kommen im vollen Umfang den Hochschulen zugute, die damit bessere Bedingungen für Studium und Lehre schaffen werden: Sie fließen in die Ausstattung der Bibliotheken und Laborarbeitsplätze, in die Studienberatung, in zusätzliche Tutorien, vor allem aber in zusätzliches Lehrpersonal. Damit kann die Betreuung von Studierenden erheblich verbessert werden. Dies wird den Studienerfolg verbessern. Damit wird das Studium an unseren Hochschulen attraktiver.

Wir haben in Baden-Württemberg mit dem Modell einer nachlaufenden Finanzierungsoption ein sozialverträgliches, gut durchdachtes Konzept entwickelt. Niemand wird aus finanziellen Gründen vom Studium abgehalten. Wer die Studiengebühren nicht gleich zahlen kann, erhält über die landeseigene L-Bank einen günstigen Kredit, der erst zwei Jahre nach Ende des Studiums zurückbezahlt werden muss, und auch nur dann, wenn ein bestimmtes Einkommen erreicht worden ist.
Aus zahlreichen Diskussionen mit Ihnen weiß ich, dass viele Studierende das Konzept begrüßen, weil die Einnahmen direkt in die Hochschulen fließen und damit den Studierenden selbst zugute kommen. Andere wiederum lehnen Studiengebühren generell ab. Sie befürchten, dass Kinder aus Familien mit geringerem Einkommen künftig nicht mehr studieren können. Ich nehme Ihre Sorgen und Befürchtungen ernst. In unserem Modell ist durch Befreiungen vorab und den Darlehensanspruch dieser Sorge Rechnung getragen worden.
In den Medien und in der Öffentlichkeit ist in den vergangenen Monaten breit und teilweise sehr emotional über Studiengebühren diskutiert worden. Ich habe dabei den Eindruck gewonnen, dass die gelegentliche Heftigkeit der Debatte vielfach auf Unkenntnis beruht. Mein Haus hat daher ein Informationskonzept entwickelt, mit der wir Sie auf breiter Basis informieren wollen. Der Informationsflyer "500 Euro für ein besseres Studium" beantwortet alle wichtigen Fragen zu Studiengebühren: Wer zahlt? Gibt es Ausnahmen? Wie sind die Modalitäten für das Darlehen? Wohin fließen die Gelder? Welchen Einfluss haben Studierende? Dies sind nur einige Beispiele aus dem umfangreichen Fragenkatalog. Wer darüber hinaus indivi-duelle Fragen hat, kann sich auch an mein Haus (info@studiengebuehren-bw.de) oder direkt an die Hochschulen wenden. Auch eine telefonische Hot-Line wollen wir einrichten. Aktuelle Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.studiengebuehren-bw.de.
Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem baden-württembergischen Studiengebührenmodell eine wichtige, gute und auch sozial verträgliche Neuerung geschaffen haben, von der auch Sie durch bessere Studienbedingungen profitieren werden. Ich werde auch weiterhin das Gespräch mit Ihnen suchen und mich Ihren Fragen stellen.
Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Peter Frankenberg

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